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Der Baader-Meinhof-Komplex

Datum: 14. Oktober 2008
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Getreu dem Motto “Besser spät als nie” (mein Kinobesuch liegt schon über zwei Wochen zurück), und als Beweis für eine Bekannte dafür, wie toll ein Blog ist, um die eigene Meinung über Kinofilme kund zu tun, folgt nun eine kurze Kritik zum Uli-Edel-Film Der Baader-Meinhof-Komplex.

Im Vorfeld zum Kinobesuch hatte ich im SPIEGEL einen Artikel gelesen, indem der Regisseur berichtet, wie er selbst die Sechziger und Siebziger Jahre erlebt hat, und betont, dass er einen neutralen Blick auf die damaligen Geschehnisse geben wollte.

Das ist ihm wohl nicht konsequent gelungen, denn wenn man im Film die Gründe und Auslöser für den Terror gegen Polizei und Staat sieht, kommt man nicht umhin, ein gewisses Verständnis für beide Seiten zu entwickeln. Das ist ein heikles Thema, deshalb führe ich es vielleicht gar nicht weiter aus. Ich bin sicherlich weit davon entfernt terroristische Gedanken gut zu heißen, weshalb für mich nur der Schluss zulässig ist, dass eine objektive, dokumentarische Schilderung der Motive und Absichten der RAF nicht gelungen ist.

Ich würde deswegen nicht soweit gehen, den Film als gefährlich zu brandmarken, im Gegenteil, ich halte ihn für sehr sehenswert, aber der Baader-Meinhof-Komplex ist sicherlich keine leichte Kost. Verstärkt wird der Eindruck noch durch die oft beeindruckend detailgenaue Inszenierung und Nachstellung zeitgenössischer Fotos und Filmaufnahmen. Auch dazu gab es im SPIEGEL eine interessante Gegenüberstellung.

Für mich war es außerdem erschreckend zu sehen, dass ja zu der Zeit tatsächlich Krieg herrschte. Ein Krieg im Inneren zwischen dem Staat auf der einen und der RAF auf der anderen Seite. Ich kann mich auch noch an die Fahndungsplakate erinnern, die man in meiner Kindheit hier und da noch zu sehen bekam, und die erst jetzt für mich einen Sinn ergeben, weil einem heute die Gefahren dieser Zeit gar nicht mehr so bewusst sind. Es hat sich viel geändert. Und das ist gut so.

Damit diese Blogdemonstration richtig gut wird, bin ich jetzt natürlich auf Kommentare angewiesen. Also bitte. Wie fandet ihr den Film? Oder interessiert er euch garnicht? Und warum?


4 Kommentare »

  1. Mucki schrieb am 14. Oktober 2008

    Für jemanden, der natürlich zur Wiedervereinigung geboren wurde, spielen die Fahndungsplakate kaum mehr eine Rolle. Richtig aufgewachsen ist man mit den Plakaten sicher nicht. Aber dennoch macht man sich spätestens in der Schule genug Gedanken zur RAF, v.a. wenn man aus dem ehemals kommunistischen Osten Deutschlands kommt. Im Film sind die RAF- Täter, wenn ich sie mal als diese bezeichnen darf, mehr oder minder als Opfer dargestellt. Sicher, man kann nicht sagen, dass sie nur Verbrecher waren. Aber meiner Meinung nach sind die Zusammenhänge zwar ganz gut dargestellt, so dass man gerade als “Spätgeborener” die Situation mitverfolgen kann, aber dennoch finde ich es eher beängstigend, wenn solche Terroristen, gerade in der momentanen Situation auf den Status von Helden gewürdigt werden. Beachtlich am Film ist die durchweg gute Leistung der Regie und der Schauspieler. Negativ zu bewerten ist meiner Ansicht nach, dass der Film zu lange dauert, denn gegen Ende hin wird man doch leicht abgelenkt. Alles in allem ist der Film recht gelungen und gerade richtig für jemanden, der sich zwar grob mit der RAF auskennt, aber nichts genaues darüber weiß.

  2. Dani schrieb am 30. Oktober 2008

    Nach nun fast 20 Jahren ist der “Baader-Meinhof-Komplex” der erste Film, der meine Mutter mal ins Kino gelockt hat. Es war interessant das mal von ihr zu hören weil sie zur Zeit der Schleyer-Entführung selbst grad ca. 13 war.

    Womit ich Mucki uneingeschränkt recht geben kann, ist, dass man als fast Wendegeborene nicht wirklich was vond en Plakaten mitbekommen hat, und dementsprechend man nur grob darüber bescheid weiß, bzw. eigentlich gar nicht ,wenn ich ehrlich bin, da auch trotz der Tatsache ,dass ich aus dem wie Mucki sagt “ehemals kommunistischen Osten Deutschlands” komme, da bei uns die RAF gekonnt rausgelassen wurde im Geschichtsunterricht.

    Was mich speziell jetzt betrifft war der Film bis zum Schluss extrem spannend und auch trotz der Länge wurde er mir zumindest nicht langweilig. Eine starke Besetzung und eine super Regie, machen den Film zum Erlebnis finde ich.

    Was die Objektivität angeht ,stimmt das schon, dass man aus irgendeinem Grund fast Sympathien entwickelt für die RAF-Mitglieder, auch wenn ich speziell mich nicht wirklich als Terrorsympathisant bezeichnen würde.

    Bloß seien wir mal ehrlich: Wer von uns weiß schon wie das ablief damals, wie das war in so einer Zeit zu leben. Der Gedanke, bzw. die Motive der RAF ,zumindest was den Film angeht kann man meines Erachtens sehr gut verstehen, wobei hier denk ich hauptsächlich das Problem in der Umsetzung ihrer Ziele lag.

    Was ziemlich gut im Film dargestellt wurde, war der Unterschied der ersten RAF Generation, die in Isolierungshaft saßen und der nachfolgenden Generationen, die rein gar nichts mehr mit dem Grundgedanken zu tun hatten , sondern teilweise Aktionen durchführten ,die nich der eigentlich RAF -Idee entstammten (wie. z.B. die Entführung der Lufthansa-Maschine). Die Art und Weise wie Sie ihre Ideen durchsetzten war natürlich sehr zweifelhaft das will ich auch nicht bestreiten, aber ich denke ,dass uns heute schlicht und einfach der Einblick fehlt, bzw. wir nicht wirklich die damaligen Zeiten nachvollziehen können, da wir sie nicht erlebt haben. Denn meines Erachtens sind die Darstellungen was die Niederschlagung der Studentenunruhen, das Verhalten der Polizisten, das Verhalten des Springer-Verlages ( wir alle kennen die heutigen Bild-Schlagzeilen und wissen auch, dass die viel Schund schreiben), die Fahndung, die Haftbedingungen und die Prozesse ziemlich authentisch sind.

    Die Studentenunruhen sind Fakt, genauso wie die Tötung Benno Ohnesorgs durch einen Polizisten, was später vertuscht wurde. Der IST tot, daran kann keiner irgendwas rütteln. Dass Rudi Dutschke real war ist bekannt, genauso ,dass ein Attentat auf ihn verübt wurde.
    Die Darstellung, dass die Polizisten auf die Studenten losgegangen sind ist auch durch Fotos und Augenzeugenberichte belegt. Die Feindschaft zwischen RAF und Staat ist auch nicht unverständlich, da vor allem zu Beginn der RAF noch genügend Nationalsozialisten bzw. ehemalige in recht hohen Positionen vertreten waren. Meinungsfreiheit war unerwünscht, reden brachte nichts. Isolationshaft ist nachwievor ein Fakt und wird immer noch aktiv durchgeführt. Dass da beim Prozess von Folter gesprochen wurde, ist denk ich gut nachvollziehbar und wenn nicht dann sollte man mal auf wikipedia den artikel “isolationshaft” lesen, damit man eine vorstellung davon bekommt, was es bedeutet den ganzen tag allein bei absoluter stille in einer zelle zu sitzen.

    Auch wenn ich es nachwievor nicht glaube ,dass die RAF mit den Attentaten je irgendwas geändert hätte am Vietnamkrieg, dazu sind/waren die Amerikaner zu ignorant und selbstgefällig.

    Ich glaube einfach dass mit der Verhaftung der Kerngruppe, die eigentlichen grundideen der RAF verloren gingen, zumindest wirkte die zweite und dritte Generation eher wie ein paar Krawallmachende Jugendliche, als wie eine Organisation mit Zielen. Ich vermute, dass den Kernmitgliedern das “Projekt RAF” aus dem Ruder gelaufen ist und sie die Kontrolle verloren haben, und nach deren Verhaftung die Nachfolger sich nicht mehr an die Ideen gehalten haben, weil Sie sie nich kannten..ich schätze das funktioniert ähnlich wie “Stille Post”, was man am anfang sagt, kommt am Ende komplett anders raus.und so wusste denk ich die letzte Generation, die Schleyer entführte nichts mehr von den ursprünglichen Idealen und es wurden nur noch wahlos Anschläge durchgeführt ohne wirkliches Ziel.

    Was den Staat angeht: ich glaub dass sie die damalige Regierung sich eine Menge Ärger erspart hätte, wenn sie nicht der RAF ständig Zündstoff geliefert hätte. Nur durch die groben Umgangsweisen, die “Isolationsfolter” und die Äußerungen in der Öffentlichkeit konnte die RAF so viele Mitglieder mobilisieren und manipulieren (wie zum Beispiel durch die Darstellung Ulrike Meinhofs Tod als Mord durch den Staat). Hätte der Staat sich nicht als intoleranter Polizeistaat mit unmenschlichen Haftbedingungen und brutalen Vorgehensweisen gegen Demonstrierende präsentiert, hätte die RAF nicht annähernd den Zündstoff gehabt, den sie letztendlich hatte, da Sie somit mit Leichtigkeit die Unglaubwürdigkeit des Staates für ihre Zwecke ausnutzen konnten und so auch Sympathisanten aus dem Volk , bzw. auch neue Mitglieder dazugewinnen konnte.

    Wie gesagt ,das sind nur Mutmaßungen meinerseits, ich habe es ja nicht miterlebt, ich finde nur das die Darstellung so subjektiv sie auch vielleicht wirkt, vermutlich nich ganz so subjektiv gewesen ist, wie man es empfindet.

    Und um nochmal zu Muckis Aussage :”aber dennoch finde ich es eher beängstigend, wenn solche Terroristen, gerade in der momentanen Situation auf den Status von Helden gewürdigt werden.” nicht wirklich passend, da man den heutigen Terrorismus nicht mit dme damaligen vergleichen kann, es sind komplett andere Situationen, damals ging es um die Ungerechtigkeit in Bezug auf den Krieg in Vietnam, man wollte mit extrem radikalen Mitteln dazu beitragen, dass der unglaublich grausame Krieg dort beendet wird. Heute geht es eher darum welche Gott der coolste is, ums mal so auszudrücken, diesmal sind die Terroristen die Intoleranten und nicht der Staat. Zumal beim heutigen Terrorismus gezielt Attentate auf unbeteiligte Zivilisten durchgeführt werden.

    Abgesehen davon werden sie nicht als Helden dargestellt, der damalige Staat hat Sie selbst zu Helden gemacht, dafür mussten die RAF Mitglieder nicht wirklich viel tun und sich noch nichtmal anstrengen um Anklang zu finden. In sofern ist das nichtmal wirklich filmerische Freiheit von seiten der Filmemacher sondern eine realistische Darstellung. Würden die Filmemacher die RAF-Mitglieder als skrupellose Monster darstellen und den Staat als Opfer, wäre das gelogen, weil das nicht die Sichtweise der Bevölkerung zur damaligen Zeit widerspiegeln würde.

    Würde morgen wieder etwas ähnliches wie die RAF aus dem Boden auftauchen, die Arbeitsagenturen in die Luft sprengen als aktion gegen die Arbeotslosigkeit, bin ich mir sicher dass es genügen Bürger gibt, die den Protest nachvollziehen könnten und auch wieder sympathisieren.Letztendlich ist die Verantwortung für den Nährboden solcher Gruppen beim Staat, den wenn der seine Arbeit richtig machen würde gäbe es keinen Grund zum protestieren.

    Aber witzigerweise findet sich beim RAF Terrorismus und dem heutigen “Heiligen Krieg” trotzdem eine Parallele.

    Denn wer hat bei beidem Schuld?

    Natürlich..Die Amerikaner.

    wie gesagt das ist eine Darstellung meiner Meinung, die muss nicht unbedingt geteilt werden.

    In diesem Sinne ;)

  3. Dani schrieb am 30. Oktober 2008

    achja noch ein Nachtrag, was mir persönlich aufgefallen ist im film

    vor allem bei Ulrike Meinhof bekommt man den Eindruck dass sie das gefühl hat in einem Alptraum festzusitzen und nicht da wieder rauszukommen und machtlos zusehen zu müssen

    Sie erscheint schon fast wie eine modernere Sophie Scholl, die versucht mit den Flugblättern der RAF die Studentenschaft aufzurütteln, nur leider war diese Vorgehensweise nicht ganz zeitgemäß und sie konnte sich leider gegenüber der restlichen radikaler denkenden Gruppe nicht behaupten , schade eigentlich…

  4. Tim schrieb am 22. Januar 2009

    Dani hat geschrieben
    [Heute geht es eher darum welcher Gott der coolste is, ums mal so auszudrücken....]

    Liebe Dani,
    für die Mächtigen in den USA geht es nicht um Gott, sondern nur um Öl und darum die Vormachtstellung in der Welt aufrecht zu erhalten.
    Irak = ÖL
    Iran = ne wenge Öl
    und Afghanistan braucht man als ÖL-Transitland.
    ….es geht leider immer wieder um Öl und die damit verbundene Macht in der Welt.


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